Ophelia

Autor: Herr Mondschein

Ophelia ist eine tragische Figur aus Shakespeares Hamlet. Sie ist eine junge, zierliche Frau von großer natürlicher Schönheit. Ihr Blick wirkt oft verträumt, nachdenklich oder traurig. Im Laufe der Geschichte trifft Ophelia ein schweres Schicksal. Sie verfällt dem Wahnsinn, verliert zunehmend den Bezug zur Realität, bis ihre Geschichte schließlich ein tragisches Ende nimmt.

Mit diesen Versen möchte ich Ophelias Schicksal aus den Seiten von Shakespeares Hamlet in unsere Gegenwart tragen. Denn ihre Geschichte ist keine ferne Erinnerung vergangener Jahrhunderte. Sie erzählt von seelischem Leid, Einsamkeit und dem Zerbrechen eines Menschen – von Erfahrungen, Gefühlen und Schicksalen, die leider auch heute noch unter uns wohnen.

Ophelia sitzt im Wald neben einem Blatt mit Fragen nach Liebe, Wahrheit und Erinnerung.

Zwischen den Bäumen führt ein schmaler
Trampelpfad unter dem Blätterdach.
Die Ente reckt den kleinen Schnabel,
über Steine ergießt sich ein Bach.

Der Fuchs schaut aus seinem Bau fragend,
in der Ferne ist der Specht am Schlagen.
Der Findling ist von Moosen bewachsen,
vor ihm eine Gruppe von Hasen.

Ein Fahrradwrack liegt dort seit Jahren,
daneben einige Bierflaschen.
Dieser Ort, seit Jahren verlassen,
seinen eigentlichen Schein bewahrend.

So die Sonne durch die Blätter fällt,
Vergänglichkeit sich das Dasein nennt.
Und doch unantastbar bleibt die Welt,
so schön, klar, dem Menschensinne fremd.

Der Bach ergießt sich in einen See,
ein großer Stamm nah am Ufer steht.
Geht ein Wind, der leicht Libellen trägt,
hier endet dieser schöne Waldweg.

Und Ophelias Körper treibt so dort
in den leichten Wellen, die vergehen.
Verbleibt elegant und ohne Wort,
ich wünschte, ich könnte dich verstehen.

Dein langes, leicht gewelltes Haar
ist anmutig und so harmonisch.
Dein Blick ist so traurig, still und klar,
deine Erscheinung melancholisch.

Ja, uns fehlt jegliches Verständnis.
Dein edles Wesen kränkte niemanden mehr.
Wie kommen wir aus der Bedrängnis?
Deine Reise war so kurz und schwer.

Du so vereint mit der Ewigkeit.
Lasst uns im Dasein mit den Fragen,
die wir über unsere Lebenszeit
in unseren hilflosen Herzen tragen.

Wasser erschwert dein seiden Gewand,
und du verlässt die Oberfläche.
In die Tiefe, die alles Licht bannt,
hinab in des Grundes Geflechte.

Ophelia treibt im Wasser neben einem Blatt mit Zeilen aus Shakespeares Hamlet.

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