Theaterwerkstatt Bethel

Die Theaterwerkstatt Bethel wurde 1983 von der Theaterpädagogin Else Natalie Warns gegründet. Heute leitet sie Matthias Gräßlin. Er ist Theatermacher und Dozent für kulturelle Bildung. Die Theaterwerkstatt Bethel macht Volxtheater. Ist das inklusiv? Der Begriff verweist vor allem darauf, dass die Einbeziehung von Schauspielern mit Behinderung in das Theater der Mehrheitsgesellschafft in der Regel noch nicht der Fall ist. Wäre das Theater grundsätzlich inklusiv, bräuchte man dafür keinen Begriff. Inklusion bedeutet, dass jeder Mensch ganz natürlich dazu gehört. Egal wie Du aussiehst, welche Sprache Du sprichst oder ob Du eine Behinderung hast. Jeder und jede kann mitmachen. Dafür steht die Theaterwerkstatt Bethel ein. “Ich träume von einer offenen Gesellschaft, in der jede und jeder die eigenen Interessen verfolgen kann. Theater ist ein Ort, an dem das leicht zu verwirklichen ist. Es kommt aber darauf an, dass dabei jede und jeder mit den eigenen Möglichkeiten, Eigenarten und Anliegen gefragt ist. Dann bietet es eine gute Gelegenheit das Leben als verschiedene Menschen zu üben. Meine Erfahrung ist: Je unterschiedlicher die Mitglieder einer Gruppe sind, desto größer sind ihre Möglichkeiten neue Ideen zu entwickeln.” (Matthias Gräßlin 2017) Inzwischen führte die Entwicklung von künstlerischen Techniken des Experimentierens, Austauschens, Nachdenkens, Forschens und Vermittelns in vielfältig zusammengesetzten Gruppen zur Gründung der “Volxakademie – Zentrum für inklusive Kultur”. In einem dreijährigen, wesentlich von der LWL-Kulturstiftung geförderten und der Stiftung Bethel getragenen Projekt wird der oben angedeutete Ansatz nun ausgebaut und untersucht.

Die Volxakademie lädt jede und jeden ein, sich in kulturellen Projekten selbstständig einzubringen, zu lernen und gemeinsam Ideen für das Engagement in anderen Lebensbereichen zu entwickeln. Sie ist zugleich Ort des Experimentierens und Lernens, des Diskurses und der Entwicklung. Die Arbeit basiert auf künstlerischen Erfahrungen und Vorgehensweisen. Dies geschieht einerseits in Theater- und Performanceprojekten. Andererseits in thematischen Workshops, Seminaren, Tagungen, Gesprächen und Beratungen.

Theaterwerkstatt Bethel – Raum für künstlerische Entfaltung Seit 33 Jahren entwickeln in der Theaterwerkstatt Bethel viele sehr verschiedene Menschen aus Bielefeld und Umgebung ihr eigenes Theater. In offenen Werkstätten und Workshops tauschen sie sich mit künstlerischen Mitteln über für sie wichtige Lebensthemen aus, bringen ihre Ideen in Inszenierungen und Performances zum Ausdruck. Das Volxtheater der Theaterwerkstatt Bethel ist Theater aus dem Volk für das Volk. Es vereint Künstlerinnen und Künstler verschiedenster Lebensbereiche der Gesellschaft. Es ist genährt aus dem Potential der großen Vielfalt ihrer Lebenserfahrungen und Denkweisen. Gespielt wird, was die Mitwirkenden interessiert und was sie für wichtig erachten. Somit werden moderne Anforderungen zeitgemäßer inklusiver kultureller Bildung umgesetzt. Der themenzentrierte künstlerische Ansatz des Volxtheaters der Theaterwerkstatt Bethel kommt durch neu entwickelte kulturpädagogische und künstlerische Konzepte zum Ausdruck. Hinzu kommt die komplexe Vernetzung bisher sehr separater Lebensbereiche und Institutionen. Im Jahresprojekt “WAHNS!NN” der Theaterwerkstatt Bethel präsentiert das Volxtheater: Weltrekorde, 350 PS, geiler Sex – Wahnsinn! Terror, sexualisierte Gewalt, global vernetzte Kriege, Millionen auf der Flucht, steigender Alltagsrassismus – Alles Wahnsinn! Im Streben nach höchstem Glück leben wir Wand an Wand mit unfassbaren Widersprüchen. Das Volxtheater bringt die unauflösbar erscheinenden Widersprüche des Lebens zum Ausdruck. Alte Werte wie Liebe, Würde oder Solidarität sind auf die Probe gestellt. Die Spielerinnen und Spieler des Volxtheaters erzählen in ihrem neuen Stück von einer Welt, die aus den Fugen zu geraten droht. Sie heben und stürzen ab, verlieren die Kontrolle, geraten in Ekstase, entgleiten und wagen somit einen Blick hinter gesellschaftliche Konventionen und Normalitätsvorstellungen.

Der Schnee brennt Gallery

 

 

Unsere Redaktion besuchte das Theaterstück “Der Schnee brennt.- Ein Stück über den WAHNS!NN”. Hinter dem Titel verbirgt sich ein Stück, das den alltäglichen Wahnsinn verdeutlicht. Beim Betrachten der Vorstellung werden Emotionen geweckt, die meistens im Unterbewusstsein schlafen. Das Hervorrufen dieser Gefühle bringt eine Chance der Bewusstseinserweiterung mit sich. Die Wirkung des gesellschaftskritischen Auftritts zeigt, dass der Wahnsinn doch Methode hat. Dieses sympathische und talentierte Ensemble macht das Zusehen zu einem erstklassigen Erlebnis. Im Internet finden sich einige Aufführungen in Videoformaten. Diese können einen kleinen Vorgeschmack bieten, ersetzen jedoch nicht den Besuch im Theater. Denn dort in dieser besonderen Atmosphäre erreichen den Zuschauer ein Gefühl der Zufriedenheit und Zugehörigkeit. Weitere Informationen Tel: 0521-144 3040 oder www.theaterwerkstatt-bethel.de

 

VOLXKULTUR Ein künstlerischer Ansatz für die offene Gesellschaft

Matthias Gräßlin & Nicole Zielke, Theaterwerkstatt Bethel (Hgg.) VOLXKULTUR Ein künstlerischer Ansatz für die offene Gesellschaft 1. Aufl. 2019, 288 Seiten mit Abbildungen Hardcover 17 × 24 cm ISBN 978-3-7455-1047-8,

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