Das Dinner / Gedicht

 

Lasst uns heute ein Fest begehen,
und uns würdig und gut benehmen,
dass es schön wird und gemeinschaftlich,
hoffen wir: Die Gäste geh’n zeitig.

Erinnerungen sind verloren,
im kalten Kellerraum und der Staub.
Verstreute Blätter welken wie Laub,
von der Welt im Dunkeln verborgen.

Im Erdgeschoss duftet das Essen,
erwartend schon die nahen Gäste,
dass nur der Hausherr nichts vergesse,
still glänzt im Licht das kleine Feste.

Die hohe Standuhr dort an der Wand,
welche stündlich laut und dumpf aufklang,
sie misst die Minuten des Wartens.
In der Luft liegt der heiße Braten.

Der Wein steht kalt, das Licht ist sakral.
Kaum hörbar regt sich da ein Geräusch.
Hat sich der Hausherr etwa getäuscht?
Prüfende Blicke im Speisesaal.

Die Tafel schmückt die weiße Decke.
Die Kerzen werden nun entzündet.
Anschließend glimmt die Zigarette,
die Uhr schlägt nun, die Stunde kündet.

Der Schrecken fuhr durch seine Glieder,
doch rasch gewann er sich schon wieder,
der Schreck dann als ein Seufzer entrinnt.
Doch im Keller tanzt leise der Wind.

Nun glimmt im Dunkel leichtes Funkeln.
Sogleich drängen sie zueinander,
in einer Reihe, nacheinander,
zur Tür schreiten sie durch das Dunkel.

Leise Schritte tragen sie hinauf,
die alte Stufe knarrt im Schatten.
Nun rüttelt etwas leis am Türknauf,
vorbei ist nun das matte Waten.

Es schleichen ein alte Geschichten,
um ihr Willkommen zu entrichten,
manch bittere Erinnerung spricht,
treten ein und setzen sich zu Tisch.

Im Wandel gleitet Mimik verzerrt,
der kühle Hausherr bleibt reguliert,
serviert die Suppe sehr reserviert,
die Gäste werden würdig geehrt.

Verzehrt ist die erste Flasche Wein,
der gute Braten wird nun serviert,
die Gläser glänzen im Kerzenschein,
Man genießt nun die Kost, ungeniert.

Jemand drängt sich im Gespräche auf,
nimmt Peinlichkeit anderer in Kauf.
Den Herrn des Hauses ein Jucken quellt,
etwas Blut an seinen Fingern quillt.

Unbeirrt und niemals satt werdend,
ergötzt man sich am wiederholten,
schön ausgeschmückten Anekdoten,
amüsierend, teils auch belehrend.

Alte Witze werden angestimmt,
und ein Toast auf die Vergangenheit.
Die Stimmung feierlich und beschwingt,
illuster fragt man, wo die Rede bleibt.

Numinos sich ein Dröhnen erhebt,
als die Uhr die nächste Stunde schlägt,
eintönig der Pendel weiterschwingt,
man blickt aufs Zifferblatt, eingestimmt.

Nach kurzem transzendenten Schweigen
wird erneut die Rede erbeten,
das zwingt den Herrn, sich zu erheben,
so begrüßt er das rege Treiben.

Etwas verkocht war leider der Kohl,
es sei ihm doch bitte vergeben.
Er hofft, es sei sonst allen zum Wohl,
er schwankt nun und wird leicht verlegen.

Seine Stimme zeugt von wachem Geist,
jäh ringend er sich zusammenreißt,
dass jeder auch dieses Fest genießt,
ihm dick das Blut aus der Nase fließt.

Und formuliert weiter sehr pointiert,
es platzen auf die alten Wunden,
Blut aus dem Arsche und dem Munde,
beendet die Rede unbeirrt.

Der Herr des Hauses ist kreidebleich,
bedankt sich abschließend souverän,
der Salzstreuer wird weitergereicht,
er beginnt, sich am Tisch zulehnen

Er taumelt und verliert dann den Halt,
umklammert die Tischdecke, es knallt,
auf den Boden, er kommt ums Leben.
Auch das sei ihm sicher vergeben.

Das schöne Dekor liegt daneben,
man merkt an, das sei typisch für ihn,
sich an schönen Punkt zu entziehen,
das Gespräch ist wieder anregend.

Man gratuliert sich jetzt für die Zeit,
und streitet, wer ihm der Nächste war,
fragt, was nun von seinem Leben bleibt.
Jeder fühlt sich ihm immer noch nah.

Als die große Momentaufnahme!
Zum Dessert gibt’s Schokobanane,
das sorgt etwas für Versöhnlichkeit.
Bleibend! Herrschend! Für die Ewigkeit!

Ehrlich gehört hat ihn nie etwas.
Die Leiche wird allmählich eiskalt,
als die große Uhr dröhnend auffallt.
Gesellig man noch lange da saß.

Sie wollen heut einfach nicht gehen!
Der Gastgeber schien sie noch mahnend,
vom Boden aus starrend anzusehen.
Erinnerung blieb an den Abend.

22.2.2026